Heucobs sind industriell oder handwerklich gepresstes Heu in Pellet- oder Würfelform. Sie werden eingesetzt, wenn normales Heu nicht gefüttert werden kann – zum Beispiel bei Pferden mit schlechten Zähnen, bei gezielter Zusatzstoffgabe oder zur Unterstützung bei Entgiftung und Wiederaufbau.
Normales Heu bleibt die bessere Wahl. Heucobs sind ein Kompromiss – manchmal notwendig, aber immer mit Nachteilen verbunden.
Der Markt ist groß. Grundsätzlich lassen sich drei Kategorien unterscheiden:
Hochwertige, zertifizierte Produkte mit kontrollierter Ansaat, definierten Herstellungsverfahren und Bio-Qualität. Qualitativ die beste Wahl – für die meisten Pferdebesitzer in größeren Mengen jedoch nicht leistbar.
Agrobs gilt als bekannteste Marke im mittleren bis oberen Preissegment und ist für solide Qualität bekannt. Für Pferde mit noch funktionierendem Stoffwechsel eine brauchbare Option. Bei großen Tagesmengen – etwa bei zahnlosen älteren Pferden – wird sie für viele zu teuer.
Begus (Lagerhaus-Eigenmarke) liegt preislich günstiger und hat im Vergleich zu Agrobs einen niedrigeren Zuckergehalt – relevant bei Pferden mit Stoffwechselproblemen oder Insulinresistenz. Nicht alle Pferde nehmen sie gut an.
Was bei keiner industriellen Marke vollständig transparent ist: die genaue Herkunft des Heus, die Umgebungsbedingungen beim Anbau, der Einfluss von Luftverschmutzung oder saurem Regen. Die eigene Entscheidung muss sich letztlich an den individuellen Bedürfnissen des Pferdes orientieren – nicht allein an der Marke.
Beim Fressen von normalem Heu leistet ein Pferd mehrere tausend Kauschläge pro Kilogramm und produziert dabei mehrere Liter Speichel. Dieser Speichel macht die Nahrung im Maul hochbasisch – eine notwendige Vorstufe für den hochsauren Magen. Der pH-Wert im Maul beeinflusst direkt alle weiteren Stationen der Verdauung: Magen, Dünndarm, Dickdarm.
Bei Heucobs fällt dieser Prozess weitgehend weg. Weniger Kauen bedeutet weniger Speichel, ein gestörter pH-Wert von Anfang an – und Folgen für die gesamte Verdauungskette.
Wer regelmäßig Heucobs füttert, sollte deshalb regelmäßige Entsäuerungskuren einplanen. Nicht als Option, sondern als fixer Bestandteil der Fütterung.
Bei alten Pferden ohne funktionierende Zähne bleibt oft keine andere Möglichkeit. Ebenso bei der gezielten Gabe von Zusatzstoffen, Mineralien, Kräutern oder Medikamenten – Heucobs eignen sich gut als Träger. Und bei Pferden im Wiederaufbau nach Vergiftungen, Stress oder anderen Belastungen.
In all diesen Situationen sind Heucobs legitim. Es geht darum, das geringere Übel bewusst zu wählen – und die bekannten Nachteile aktiv auszugleichen.
Alexandra Hirsch ist Expertin für Pferdegesundheit und Pferdeernährung. Sie berät Pferdebesitzerinnen und Fachleute im deutschsprachigen Raum zu Fütterung, Entgiftung und ganzheitlicher Pferdegesundheit.